Das Laichinger Bähnle (1901 bis 1985) – viel belächelt und doch erfolgreich und liebenswert
Mittwoch, 29. Juni 2022, 19:30 Uhr im Großen Saal Gasthaus "Rössle", Laichingen
Ein unvergesslicher Abend

Der Zustrom zu den Vorträgen über das Laichinger Bähnle war überwältigend. Schon deutlich vor Beginn waren die Reihen schon gut besetzt, am Ende blieben nur sehr wenige Plätze im großen Saal des Gasthauses „Rössle“. Und die Erwartungen der Zuhörer wurden nicht nur erfüllt, sondern weit übertroffen.
Heinz Surek schilderte die Entstehung der Nebenbahnlinie Amstetten – Laichingen seit den ersten Ideen und Planungen, die durch den Bau der Magistrale Stuttgart – Friedrichhafen ausgelöst wurden. Es entstand ein harter Konkurrenzkampf der kleineren Gemeinden im Umfeld um den Bau einer Nebenlinie. Münsingen, Urach, Kirchheim bewarben sich. Entscheidend war der Einsatz des Ulmer Oberbürgermeisters Wagner, der sich für eine Nebenlinie Beimerstetten – Laichingen einsetzte. Der bekannte Geometer Ludwig Ostertag in Laichingen engagierte sich für Amstetten - Laichingen. Dieser Plan wurde auch in Stuttgart von der Regierung und dem Landtag gebilligt. Sehr anschaulich wurden die schweren Arbeiten beim „Durchstich“ bei Amstetten geschildert; Gastarbeiter aus Italien und Kroatien kamen zum Einsatz. Am 20. Oktober 1901 fuhr der erste Zug in Laichingen ein – der Bahnhof befand sich damals noch auf einer sehr großen, unbebauten Fläche.
Am 31. August 1985 fand die letzte planmäßige Fahrt statt – das Frachtgutaufkommen war so stark gesunken, dass ein lohnender Betrieb nicht möglich erschien. Dabei hatte man kurz vorher noch Investitionen von über 2 Millionen DM getätigt, zum Beispiel für beschrankte Übergange. Bürgermeister Schmid von Machtolsheim hat dies bedauert. Leider scheiterte auch der Plan einer Museumsbahn in der Art des „Öchsle“, den Landrat Bühler vorschlug. Mit 70 Bildern wurde die Geschichte des „Bähnles“ zusätzlich illustriert und durch viele heitere Anekdoten bereichert.
Im zweiten Teil schilderte Peter Schumacher als technischer Leiter der „Ulmer Eisenbahnfreunde“ das Schicksal der „2.s Lok“ , der letzten Dampflok auf der Nebenstrecke, natürlich ebenfalls mit zahlreichen Bildern. Sie war lange Jahre vor der Tiefenhöhle in Laichingen aufgestellt. Rost und Diebstähle hatten ihr hier sehr zugesetzt. Von dort war sie nach Marxzell im Schwarzwald gekommen und dort von den „Eisenbahnfreunden“ für 20.000.- DM erworben worden. Peter Schumacher schilderte außerordentlich anschaulich die Fülle an schwierigen Restaurationsarbeiten, die nötig waren, um den Originalzustand wieder herzustellen. Deutlich machte er dabei auch den sehr hohen Anspruch der Restauratoren, die etwa nur genietete Verbindungen herstellen und (leichter machbare) geschweißte vermeiden.
Am Ende des Abends gab es noch viele Gespräche; alles in allem zeigte der Abend die tiefe Verbundenheit der Besucher mit dem unvergessenen „Bähnle“.